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Florian Wirtz (re.) jubelte nicht mal bei seinem Treffer gegen Fulham. Nachdem doch nicht auf Abseits entschieden worden war, holte er das aber nach.

© dpa/Alastair Grant

Drei Torbeteiligungen in vier Spielen: Wie Florian Wirtz seine Kritiker widerlegt

Zusätzliche Athletikeinheiten, bessere Statistiken, wachsender Einfluss: Wirtz zeigt bei Liverpool, warum Geduld mit ihm gerechtfertigt ist.

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Florian Wirtz hat in England mal wieder eine Debatte ausgelöst. Der deutsche Fußballer erzielte am Sonntagabend sein zweites Tor für den FC Liverpool. Nach dem 2:2-Unentschieden gegen den FC Fulham waren sich viele Beobachter einig: Dieser Treffer hätte nicht zählen dürfen, Wirtz habe im Abseits gestanden. „Ich war mir sicher, dass es Abseits war. Deshalb habe ich nicht mal gejubelt“, sagte Wirtz später.

Tatsächlich legten die TV-Bilder eine Abseitsstellung nahe. Doch dank der in der Premier League etwas großzügigeren Handhabung des halbautomatischen Abseitssystems fand der Treffer Anerkennung. Während in der Bundesliga, der italienischen Serie A oder der spanischen La Liga millimetergenau entschieden wird, führte Englands höchste Spielklasse bei Einführung des Systems eine Toleranz von bis zu fünf Zentimetern ein. Diese wird im Zweifel zugunsten des Angreifers ausgelegt, da Restzweifel an einer fehlerfreien Technologie nie ganz auszuräumen sind.

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Die Frage, ob Treffer oder nicht, lenkt derweil davon ab, dass Wirtz die vergangenen zwei Wochen dazu genutzt hat, seine vielen Kritiker zum Schweigen zu bringen. Für den 22-Jährigen war es die dritte Torbeteiligung in den letzten vier Spielen. Kurz vor Weihnachten bereitete er gegen Tottenham Hotspur erstmals ein Tor vor, zwischen den Jahren traf er gegen die Wolverhampton Wanderers erstmals selbst.

Dennoch sind die zuletzt überwiegend negativen Beurteilungen bislang kaum ins Gegenteil umgeschlagen. Vor allem der ehemalige englische Nationalspieler Wayne Rooney sowie Liverpool-Legende Jamie Carragher hatten Florian Wirtz teils hart kritisiert und bezweifelt, dass der deutsche Nationalspieler ins System Liverpools passe.

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Torbeteiligungen sammelte Florian Wirtz in den vergangenen vier Spielen.

Rooney ruderte zwar etwas zurück und betonte, dass Wirtz in Ansätzen zeige, dass er ein absoluter Spitzenspieler ist. „Ich glaube, dass er das auch für Liverpool sein kann“, so Rooney in der BBC-Show „Match of the Day“, und verwies dabei auf die lange Anpassungszeit von Bastian Schweinsteiger bei Manchester United. Sein Expertenkollege Carragher hielt sich mit sportlichen Relativierungen dagegen zurück und kommentierte lediglich die Abseitsentscheidung: „Ich verstehe immer noch nicht, warum das kein Abseits ist.“

Wirtz absolviert Programm zur Gewichtszunahme

Wirtz dürfte es gleichwohl egal sein, wer was über ihn sagt – zumal inzwischen auch die Statistik seine Leistungen untermauert. Dass er sein Potenzial immer mehr ausschöpft, liegt nicht an etwaigen taktischen oder spielerischen Veränderungen. Nach wie vor spielt Wirtz bei Liverpool laut der Statistik-Plattform Sofascore die zweitmeisten „wichtigen Pässe“ hinter Dominik Szoboszlai (achtbester Wert der Liga) und belegt in der Premier League Platz neun, was herausgespielte Chancen angeht.

Die Gründe für seinen Aufschwung finden sich eher im athletischen Bereich. Liverpools Trainer Arne Slot zufolge hat der Deutsche vor mehreren Wochen ein Programm zur Gewichtszunahme begonnen und konzentriert sich darauf, Muskeln aufzubauen, seine Ausdauer zu verbessern und seine Regeneration zu optimieren.

Ich weiß, dass es die härteste Liga der Welt ist, und ich muss mich einfach an die körperliche Härte gewöhnen.

Florian Wirtz über die Premier League

Erste Erfolge machen sich nicht nur in Wirtz‘ Scorerpunkten bemerkbar, sondern auch in der Robustheit bei Dribblings. Gegen Wolverhampton waren sieben seiner neun Versuche erfolgreich. Nur Iliman Ndiaye vom FC Everton (neun) und Jeremy Doku von Manchester City (acht) haben in dieser Saison in einem Premier-League-Spiel mehr Dribblings erfolgreich abgeschlossen.

Dass diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, zeigt der Blick auf seine Einsatzzeiten. In 19 Spielen wurde er viermal eingewechselt und 14-mal ausgewechselt, nur ein einziges Mal spielte er durch. Zuweilen wirkt Wirtz gegen Ende eines Spiels etwas müde. „Ich weiß, dass es die härteste Liga der Welt ist, und ich muss mich einfach an die körperliche Härte gewöhnen“, sagte der 22-Jährige der BBC kürzlich. „Mit jedem Spiel fühle ich mich ein bisschen besser, und ich möchte, dass das so bleibt.“

Florian Wirtz mag sein volles Leistungsvermögen noch nicht erreicht haben. Doch schon jetzt trägt er maßgeblich dazu bei, dass Titelverteidiger Liverpool sportlich wieder in der Spur ist.

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